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Niederländische Kampfsportbehörde
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Wo der Kampfsport noch nicht inklusiv ist, liegen Chancen

3 Min. Lesezeit

Die niederländische Kampfsportwelt ist im übertragenen wie im wörtlichen Sinne farbenreich. Dennoch erreichen die Kampfsportschulen noch nicht alle Zielgruppen. Darin liegen Chancen für Sportunternehmer, folgert das Mulier Instituut (niederländisches Institut für Sportforschung). Die Sportforscherinnen befragten Betreiberinnen und Betreiber von Kampfsportschulen zum Thema Inklusivität und veröffentlichten darüber den Bericht Family vibes in de dojo.

Auf der Grundlage von Interviews mit Kampfsporttrainerinnen und Betreiberinnen von Kampfsportschulen sowie mit Trainern und Betreibern von Kampfsportschulen mit Migrationshintergrund untersuchten die Forscherinnen Güliz Nilay Aydoğan und Agnes Elling, wie Diskriminierung und Ausgrenzung erlebt werden und wie die Befragten im Sport damit umgehen.

Die befragten Betreiberinnen, Betreiber und Trainer von Kampfsportschulen versuchen, Diskriminierung, darunter Sexismus und Rassismus, innerhalb ihrer Kampfsportschule zu verhindern. Das tun sie unter anderem, weil sie selbst in ihrem Leben Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren haben oder erfahren. Sie sehen ihre eigenen Lebenserfahrungen als Mehrwert bei der Begleitung von Sportlerinnen und Sportlern.

Respekt
Den Befragten ist eine familiäre Atmosphäre in der Kampfsportschule wichtig. Hierarchie, geprägt von Respekt und Disziplin, ist eine Grundnorm in der Kampfsportkultur. Sie schließt an Werte und Normen an, die viele Kämpfer, Trainer und Inhaber von Kampfsportschulen von Hause aus und aus ihrer Kultur oder Religion mitbekommen. Aus der Art, wie die Trainer und Inhaber über andere Minderheitengruppen sprechen, und aus genannten Praxisbeispielen wird jedoch deutlich, dass der Kampfsport nicht immer für alle inklusiv ist. Frauen, Menschen mit Behinderung und LGBTI+-Personen werden mitunter negativ angesprochen.

Raum, man selbst zu sein
Die Trainer und Betreiber von Kampfsportschulen beschreiben die Kampfsportwelt als recht vielfältig. Damit meinen sie vor allem ethnische Vielfalt: Kultur, Religion, Herkunft und Hautfarbe. Sie weisen darauf hin, dass Migranten den Kampfsport groß gemacht haben. Sie stellen fest, dass der Anteil von Frauen unter den Funktionsträgern im Kampfsport zunimmt. Einige Befragte erkennen an, dass Vielfalt und Inklusion mehr umfassen als Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht. Sie sehen Chancen oder ergreifen selbst Initiativen, um die Kampfsportwelt noch inklusiver zu machen.

Empfehlungen
Die Forscherinnen geben drei Empfehlungen für die Kampfsportwelt. Erstens wäre es sinnvoll, wenn der Kampfsport Wissen mit anderen Sportverbänden austauscht. Andere Verbände können vom Kampfsport lernen, vor allem wenn es darum geht, Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund an sich zu binden. Der Kampfsport wiederum kann von anderen Verbänden lernen, wie diese Menschen mit Behinderung und Menschen aus der LGBTI+-Gemeinschaft ansprechen.

Letzteres schließt auch an die zweite Empfehlung an: Vielfalt als Chance sehen. Es gibt neue Zielgruppen, die man als Kundschaft gewinnen kann. Es gibt bereits Kampfsportschulen, die dies tun, zum Beispiel durch Ladies only-Kurse, Kurse für Ältere oder Kurse für Menschen mit Parkinson.

Die dritte Empfehlung lautet, weiterhin aktiv am Image des Kampfsports zu arbeiten. Lange hatte der Kampfsport einen negativen Ruf. Aggression, Unruhe rund um Veranstaltungen und Sportler, die als Kriminelle in die Nachrichten kamen, schreckten Menschen ab. Das Bild wandelt sich schon seit einiger Zeit, daran muss jedoch dauerhaft gearbeitet werden. Die Forscherinnen empfehlen dem Sektor, den sozialen Mehrwert des Kampfsports weiterhin zu vermitteln. Betreiber von Kampfsportschulen und Verbände sollten deutlich machen, dass der Rummel um kommerzielle Shows nicht repräsentativ für die Normen des Kampfsports ist. Die großen Kampfsportgalas werden das Bild jedoch weiterhin prägen. Deshalb bleibt es wichtig, dass „gute“ Kampfsporthelden sich als Botschafter einer vielfältigen, positiven und inklusiven Kampfsportwelt verhalten.

Unsere Kampfsportschule ist für alle
Die sportübergreifende Kampagne Onze Club Is Voor Iedereen („Unser Verein ist für alle“) macht auf Vielfalt und Inklusion aufmerksam. Das NOC*NSF (niederländischer Sportdachverband) bietet Vereinen, Verbänden und Sportunternehmern Unterstützung, die Vielfalt und Inklusion aktiv umsetzen wollen. Dazu wurde eine Übersicht der Angebote entwickelt, unter anderem mit kostenlosen Workshops und Trainingsprogrammen.

Die VA (Nederlandse Vechtsportautoriteit, niederländische Kampfsportaufsicht) macht in diesem Jahr in einer Artikelserie auf der Website und im Newsletter auf das Thema aufmerksam, mit einem Fokus auf positive Beispiele.

Lesen Sie hier die vollständige Studie des Mulier Instituut.

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