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Niederländische Kampfsportbehörde
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„Ein einziger Verband liegt vor allem im Interesse der Sportler“

5 Min. Lesezeit

In diesem Monat vor fünf Jahren nahm die Nederlandse Vechtsportautoriteit (niederländische Kampfsportaufsicht) ihre Arbeit auf. Zu diesem ersten Jubiläum blickt VA-Vorsitzender Herbert Dekkers in zwei Gesprächen zurück und nach vorn. In im ersten Teil des Zweiteilers stand die Sicherheit im Mittelpunkt. In diesem zweiten Gespräch geht es um die Zukunft des Kampfsports. „Es liegt im Interesse der Sportler und der Sportschulbetreiber, dass wir zu einem einzigen Verband kommen. Alle anderen Interessen berücksichtigen wir, sie sind diesem Interesse aber untergeordnet.“

Die ursprünglichen Aufträge, die die VA als junge Organisation 2017 mitbekam, sind größtenteils erledigt. Das Fightpassport ist eingeführt und nicht mehr wegzudenken. Alle Verbände halten sich an Absprachen, die jährlich in einer Vereinbarung (Konvenant) festgelegt werden. Für Promoter und Matchmaker wurden Lizenzen eingeführt, sodass ihre Qualität überwacht und verbessert werden kann. Bei Jugendwettkämpfen gilt ein Verbot von Tritten und Schlägen zum Kopf, es gibt einen Vertrag mit der niederländischen Anti-Doping-Behörde (Dopingautoriteit) … Ist die VA damit fertig und geht es jetzt nur noch um Instandhaltung? „Was in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut wurde, war vor allem eine Reaktion auf Missstände“, sagt Dekkers. „Es gab zu wenig Aufmerksamkeit für die Gesundheit, es gab kriminelle Einflussnahme, die Organisation des Sports war unzureichend, darauf waren die bisherigen Maßnahmen ausgerichtet. Die Herausforderung ist nun: Wie sorgen wir dafür, dass diese Sportarten auf eigenen Beinen stehen können?“

Vorteile
Die VA ist Aufsichtsbehörde, führt aber auch verschiedene Verbandsaufgaben aus, die früher nicht wahrgenommen wurden. Zum Beispiel eine zentrale Registrierung im Fightpassport, die Ausgabe von Lizenzen, das Keurmerk Vechtsportautoriteit (Gütesiegel der Kampfsportaufsicht) für Sportschulen, die Bekämpfung von grenzüberschreitendem Verhalten und die Organisation von Dopingkontrollen. Solange die VA diese Dinge übernimmt, kann man nicht von einem Sport sprechen, der auf eigenen Beinen steht. „Diese Aufgaben gehören tatsächlich zu einem Verband, und wir würden sie auch gern übertragen, damit wir uns auf unsere Kernaufgabe konzentrieren können: die Aufsicht. Darüber hinaus sollte in einem seriösen Sport aber noch viel mehr von einem Verband ausgehen, im Interesse der Sportler und der Sportschulbetreiber. Jeder seriöse Sport in den Niederlanden wird von einem einzigen Verband organisiert, der beim Sportdachverband NOC*NSF angeschlossen ist. So ein Verband bietet sehr viele Vorteile. Er organisiert eine niederländische Meisterschaft, sodass so ein Titel auch wirklich etwas bedeutet. Dann wissen die Zeitung und Studio Sport auch, wer Aufmerksamkeit verdient. Er stellt die stärkstmögliche Vertretung bei Europa- und Weltmeisterschaften, mit den besten Nationaltrainern. So ein Verband kann auch große Sponsoren gewinnen und erhält Geld aus den Lotterien. Das kann dann für die Unterstützung von Spitzensportlern und Talenten eingesetzt werden, wie wir es zum Beispiel bei den Judoka und den Eisschnellläufern sehen. Etwas, das im Kampfsport derzeit überhaupt nicht passiert, wodurch Talente völlig auf sich selbst angewiesen sind. Seriöse Sportverbände setzen sich außerdem für die wirtschaftlichen Interessen von Vereinen und Sportschulen ein und melden sich gegenüber Politik und Medien zu Wort. In der Corona-Krise haben wir gesehen, wie wichtig das war. Wir sind bei der VA überzeugt, dass Sportler und Sportschulen von einem einzigen Verband profitieren. Und alle anderen Interessen im Sektor sollten den Interessen der Sportler und Sportschulbetreiber untergeordnet sein. Denn für wen machen wir das alles? Letztlich doch für sie?“

Zweifel
Schon lange wird ein einziger Verband gefordert. Eine Umfrage unter Sportschulbetreibern zeigte breite Unterstützung. Dennoch gibt es auch Skeptiker. Welche Einwände werden vorgebracht? „Wir stoßen durchaus auf etwas Widerstand, hören aber ehrlich gesagt kaum konkrete Einwände. Niemand ist gegen eine bessere Organisation. Die Skepsis entsteht meist aus Unsicherheit, und das ist verständlich. Vor allem Vorstandsmitglieder bestehender Verbände fragen sich natürlich, wo sie selbst in dieses neue Bild passen. Sie haben manchmal 20 Jahre daran gearbeitet, eine Organisation aufzubauen, es ist logisch, dass sie damit sorgfältig umgehen wollen. Aber es gibt Raum für diese Organisationen innerhalb des Konzepts eines einzigen Verbands. Wenn sie gut eingearbeitete Teams von Offiziellen haben, können diese einfach aus dem neuen Verband heraus weiter zusammenarbeiten. Wenn sie gute Ausbilder haben, ist das Gold wert. Wir wollen das gesamte Wissen und die Erfahrung, die diese Menschen aufgebaut haben, natürlich mitnehmen. Aber lassen wir all dieses Wissen und diese Erfahrung, die jetzt auf neun kleine Organisationen verteilt sind, in einer starken Organisation zusammenkommen, in der Sportler und Sportschulbetreiber im Mittelpunkt stehen.“

Wie sieht es mit den Promotern aus? Können die großen, bekannten Promoter und all die kleineren Veranstalter von Galas ihre Events weiterhin unter eigenem Namen organisieren? „Auch Promoter haben von der Entwicklung zu einem einzigen Verband nichts zu befürchten. Jeder, der weiterhin Veranstaltungen organisieren will, kann das tun. Und wir wollen keine Einheitsware, sie können weiterhin unter ihrem eigenen Namen oder ihrer eigenen Marke arbeiten, mit ihrem eigenen Stil, ihrer eigenen Kultur und ihren eigenen Meisterschaften. Es wird auch für sie nur einfacher werden, Sponsoren und Medienaufmerksamkeit zu organisieren und Genehmigungen zu erhalten, wenn sie unter der Flagge eines erkennbaren und von allen anerkannten Sportverbands arbeiten.“

Und wie?
Wird die VA dieser Verband werden? Werden die bestehenden Verbände fusionieren? Wie stellt sich die VA das vor? „Die VA bleibt als unabhängige Aufsicht neben so einem neuen Verband bestehen. Wir werden also nicht einen Verband aufbauen und dann selbst die attraktiven Vorstandsposten besetzen. Nein, für den Aufbau eines solchen Verbands wollen wir, dass ein unabhängiger Aufbaubeauftragter (kwartiermaker) eingesetzt wird. Dieser darf dann bestimmen, wie dieses sprichwörtliche Haus für den Kampfsport eingerichtet wird und wie wir separate Räume für Kickboxen, Thaiboxen und MMA einrichten. Und er kann dazu auch die am besten geeigneten Personen suchen, um zum Beispiel die Ausbildungen zu organisieren, die Offiziellen zu koordinieren, die niederländischen Meisterschaften zu organisieren, Sponsoren zu gewinnen und Talentprogramme aufzubauen.“

Wann?
Die VA besteht jetzt fünf Jahre. Braucht es noch weitere fünf Jahre, um das zu erreichen? „Wir haben diese Richtung im vergangenen Jahr eingeschlagen und auf unserem Kongress bestätigt. Der Sportdachverband NOC*NSF hat die Tür für einen Anschluss weit geöffnet, sodass Kickboxen, Thaiboxen und MMA vollwertige und vollständig anerkannte Sportarten innerhalb der niederländischen Sportfamilie werden können. Auch das Ministerium unterstützt diese Entwicklung, und unter Sportlern und Sportschulbetreibern wird die Idee breit getragen. Wenn wir alle mit anpacken und mit allen Menschen, die daran mitbauen wollen, vorankommen, sollte der Verband Ende nächsten Jahres stehen können.“

Teil 1 des Zweiteilers: „Sicherheit ist Voraussetzung für die Zukunft des Kampfsports“

Foto: Herbert Dekkers (links) im Gespräch mit Moderator Leon Verdonschot auf dem VA-Kongress

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