Ga naar de inhoud
Niederländische Kampfsportbehörde
Zurück zu den Nachrichten

Nachrichten

„Das hat mich zum reichsten Trainer der Welt gemacht“

4 Min. Lesezeit
Koning Willem-Alexander bij de kickboksles van Sportclub Only Friends

Die sportartenübergreifende Kampagne Onze Club Is Voor Iedereen (Unser Verein ist für alle da) richtet die Aufmerksamkeit auf Diversität und Inklusion. Vielleicht etwas modische Begriffe, doch es geht einfach darum, dass alle willkommen sind. Der Kampfsport ist seit jeher sehr vielfältig, auch was den Hintergrund der Sportler betrifft. Dennoch gibt es noch Möglichkeiten, neue Gruppen zum Mitmachen zu bewegen. Zum Beispiel Kämpfer mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. In dieser Serie stellen wir einige Kampfsportschulen vor, die möglicherweise andere dazu anregen, ebenfalls ein breiteres Publikum anzusprechen.

Für Dennis Gebbink begann das Abenteuer mit seinem Sohn Myron. Myron hat seit seiner Geburt eine beidseitige Hirnschädigung. Dadurch ist er leicht behindert. Er fühlte sich deshalb in einem regulären Sportverein nicht ganz am richtigen Platz, eine Alternative gab es aber nicht. Deshalb beschloss sein Vater Dennis, selbst die Initiative zu ergreifen.

Phänomen
Dennis merkte schnell, dass bei Menschen mit einer zusätzlichen Herausforderung ein großes Bedürfnis nach Sport bestand. Es war nie ein festes Vorhaben, eine große Organisation aufzubauen, doch aus dem Fußballspielen mit acht Jungen wuchs der Sportclub Only Friends in 25 Jahren zu einem Phänomen heran. Mehr als 850 Sportler mit einer Behinderung arbeiten dort an ihrer Gesundheit, unterstützt von 200 Freiwilligen und 60 Praktikanten. Eine der 32 Sportarten, die dort betrieben werden, ist Kickboxen.

Myron spielt bei Only Friends immer noch eine wichtige Rolle. „Er hat sich gut entwickelt“, sagt Dennis. „Myron erwarb als erster Student mit einer Behinderung sein CIOS-Diplom (Ausbildung zum Sportlehrer) in Haarlem und schaffte es in die paralympische Fußballnationalmannschaft. Er steht hier jetzt selbst vor der Gruppe, wir geben gemeinsam Parkinson Boxing.“

Kickboxen
Gebbink senior gibt die Kickboxstunden selbst in seinem verwirklichten Traum, dem Friendship Sports Centre Amsterdam. Als Kind in Enkhuizen kannte er nur Fußball, doch als er mit zehn Jahren nach Amsterdam-Noord zog, besuchte er eine Dependance von Chakuriki unter Leitung des Spitzenkämpfers Faysal Karakus, wo das Kickboxen sein Herz erobert hat. Später trainierte er bei Pancration und entwickelte sich zum Trainer. Er trainiert inzwischen selbst noch zweimal pro Woche bei Mike’s Gym.

„Kickboxen ist vielleicht nicht die erste Sportart, an die man denkt, wenn man Kinder oder Jugendliche mit Krücken oder im Elektrorollstuhl sieht, aber es ist einfach eine Frage der maßgeschneiderten Betreuung. Wenn ein Mädchen im Rollstuhl sitzt und immer als verletzlich behandelt wird, und jetzt zieht sie Boxhandschuhe an, dann sieht man sie schon wachsen. Sie fühlen sich stark, ihr Selbstwertgefühl nimmt zu. Und auch wenn sie nur Pads antippen können, bewegen sie sich und entwickeln sich. Bei einem anderen geht es vielleicht weniger um das Körperliche, aber am Boxsack können wir etwas gegen Verhaltensprobleme tun. Sie können auf jeden Fall ihre Energie loswerden.“

„Es wird nicht gegeneinander gekämpft, sondern wir schlagen und treten gegen Boxsäcke und Pads. Dadurch kann jeder nach seinen Möglichkeiten mitmachen. Und wenn sie doch einen Schritt weiter gehen wollen und sich emotional beherrschen können, dann können sie ein wenig mit den Trainern sparren.“

Erfüllung
Was die Sportler selbst davon haben, ist deutlich, doch als Trainer holt man ebenfalls etwas Zusätzliches aus der Arbeit mit dieser Zielgruppe. „Es begann mit der Trauer um meinen eigenen Sohn, weil er beim Sport eingeschränkt war. Und ich weiß, wie wichtig Sport ist, für alle, aber ganz besonders auch für ihn. Nun, da wir ein sehr breites Angebot an Sportarten machen können, weiß man auch aus der Elternrolle, was das für viele Menschen bedeutet. Und es berührt mich einfach immer noch, wenn man die Sportler selbst in Aktion sieht, unabhängig von ihrem Niveau. Ich sehe Kinder, die in ihrem ganzen Leben sozusagen nur fünf Meter vorankommen, daraus aber Erfüllung und Stolz ziehen. Einen anderen sehe ich im Rollstuhl hereinkommen, und er kann einen Ball kaum antippen. Doch durch Training kann er den Schritt zum Rollator machen, und später sieht man ihn auf Krücken Fußball spielen. Und wieder andere sehe ich sich zu paralympischen Sportlern entwickeln. Das gibt alles enorm viel Erfüllung.“

Königliche Anerkennung
Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Gebbink 2020 zum Offizier im Orden von Oranien-Nassau (Officier in de Orde van Oranje Nassau) ernannt. Als Krönung kam im Februar König Willem-Alexander anlässlich des 25. Geburtstags von Only Friends selbst beim Kickboxunterricht vorbei, wobei er die Schlagpolster hielt, während die Sportler zuschlugen.

Rat
Auf Nachfrage gibt Gebbink Betreibern von Kampfsportschulen oder CIOS-Studierenden, die selbst erwägen, Kampfsport für Sportler mit einer zusätzlichen Herausforderung anzubieten, einen Rat. „Nimm es ernst. Beschäftige dich damit und beschäftige dich mit der Zielgruppe. Behandle sie nicht als bemitleidenswert, sondern lass sie Kickboxer sein. Lerne selbst, flexibel zu sein. Passe dich den Möglichkeiten an. Aber es ist die Mühe wert, denn die Erfüllung ist enorm. Die Liebe, die man zurückbekommt, all die Umarmungen, das ist mehr als Gold wert. Das hat mich zum reichsten Trainer der Welt gemacht.“

Foto: Koninklijk Huis (niederländisches Königshaus)

Früher in dieser Serie:

„Girls Only ist kein Hype, sondern eine Notwendigkeit“
Unsere Kampfsportschule ist für alle da
No Limits Gym: „Inklusion muss selbstverständlich sein“
Jorina Baars: „Die Arbeit mit dieser Zielgruppe fordert auch mich heraus“

Zurück zu den Nachrichten