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Botschaft des VA-Kongresses 2021: Weiter vorwärts bewegen

Der Kampfsport in den Niederlanden tritt in eine neue Phase ein, so die Schlussfolgerung nach dem großen VA-Kongress, der am 20. Oktober stattfand. Das Plädoyer für einen starken Kampfsportverband war aus vielen Mündern zu hören.
Im Sportzentrum Papendal stellten die Redner einstimmig fest, dass der Kampfsport sich einen guten Platz in der niederländischen Sportlandschaft erobert hat. Das war keine Selbstbeweihräucherung, denn die Komplimente kamen von Gastrednern wie Anneke van Zanen, Vorsitzende von NOC*NSF (niederländischer Sportdachverband), und Vincent Egbers, Vorsitzender der Dopingautoriteit (niederländische Anti-Doping-Behörde).
Zukunft
In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Schritte unternommen, um den Sport besser zu organisieren. Dafür gab es viel Lob für alle, die sich dafür eingesetzt haben. Das zentrale Thema des Tages war jedoch: Die nächste Runde. Der Blick war vor allem auf die Zukunft gerichtet, darauf zielten also die meisten Fragen des Tagesvorsitzenden Leon Verdonschot.

Jugend
„Wir müssen im Vergleich zu anderen Sportarten noch einige Schritte machen, aber wir haben den richtigen Weg eingeschlagen“, sagte K1-Legende Remy Bonjasky. Nach seiner Karriere an der Weltspitze des Kickboxens ist er Inhaber einer Kampfsportschule geworden, tritt aber auch regelmäßig als Botschafter seines geliebten Sports auf. Er gab der VA und dem Sektor einen wichtigen Hinweis mit: „Wenn wir das alles für die Zukunft des Sports tun, für die kommenden Generationen, dann müssen diese auch mitreden können.“

Ein Verband
Anneke van Zanen, Vorsitzende des Sportdachverbands NOC*NSF, wurde gefragt, was der Kampfsport ihrer Meinung nach tun muss, um sich noch stärker zu etablieren. „Letztlich muss der Kampfsport in den Niederlanden wirklich eine vollwertige Sportart werden. Das bedeutet, dass es vielleicht Unterschiede gibt, mit verschiedenen Ausprägungen, dass man daraus aber am Ende doch einen Verband macht. Früher haben Sie sich gegenseitig zerfleischt. Jetzt ist unter der Vechtsportautoriteit eine Art Harmonie entstanden. Der nächste Schritt nach vorn besteht meines Erachtens darin, die Dinge wirklich gemeinsam anzugehen.“

Kräfte bündeln
Ihre Sicht deckte sich mit dem, was VA-Vorstandsmitglied Peter Kwint von der Bühne aus erläuterte. Die VA sieht zwei mögliche Zukunftsszenarien für den Sektor. „Wir können die Kräfte bündeln und einen starken Verband aufbauen. Ein Haus mit eigenen Zimmern für Kickboxen, Thaiboxen und Mixed Martial Arts. Und mit Platz für alle, die jetzt im Sport aktiv sind. Dann steht eine starke Organisation, die eine niederländische Meisterschaft organisieren kann, die von allen anerkannt wird. Dann weiß Studio Sport (Sportsendung des öffentlichen Rundfunks), welcher Meister der echte Meister ist, dann steht die Tür von NOC*NSF für eine Aufnahme offen, dann kommen unsere Sportarten für finanzielle Unterstützung durch die Nederlandse Loterij Organisatie (niederländische Lotterieorganisation) in Betracht. Dann kann sich die VA auf die Aufsicht beschränken. Aufgaben, die sie jetzt ausführt und die eigentlich zu einem Verband gehören, können dann auch tatsächlich durch den Verband ausgeführt werden. Etwa ein einheitliches Lizenzsystem, die Verwaltung des Fightpassports oder die Vertretung des Sektors in Krisenzeiten wie während der Corona-Pandemie.“

Unsicherheit
„Das andere Szenario ist das Szenario, in dem neun Verbände alle weiterhin ihr eigenes Ding machen. Dann können wir uns aber nicht gemeinsam NOC*NSF anschließen, erhalten kein Geld aus den Lotterien, es gibt keine ernstzunehmende niederländische Meisterschaft und Studio Sport fragt sich weiterhin, welche Meisterschaft welchen Verbands eigentlich etwas wert ist. Zudem ist sehr fraglich, wer die Verbandsaufgaben übernimmt, die die VA jetzt vorübergehend wahrnimmt. Etwa ein einheitliches Lizenzsystem, die Verwaltung des Fightpassports oder die Vertretung des Sektors in Krisenzeiten wie während der Corona-Pandemie. Die VA wird nicht auf Dauer vom Ministerium für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport (ministerie van VWS) finanziert. Dann befürchten wir, dass viel von dem, was wir alle in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, wieder verloren geht. Deshalb plädieren wir für das erste Szenario: Kommt zu einer Organisation und wächst von dort aus weiter.“

Nicht loslassen
Das war auch die Botschaft des scheidenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats (Raad van Toezicht), Onno van Veldhuizen. Es wäre nach seiner Auffassung sehr bedauerlich, wenn der Kampfsport zurückfallen würde, nachdem so gute Schritte nach vorn gemacht wurden. Den Tiefpunkt erlebte er als Bürgermeister von Hoorn, wo eine Gala in einer Schlägerei mündete, bei der sogar geschossen wurde. In den Jahren danach wuchs seine Verbundenheit mit dem Sport. Er sah, wie zerrüttet der Kampfsport war. „Ein enorm schlechter Ruf, man gönnte einander nichts, kein belastbares Vertrauen, um die Probleme gemeinsam anzugehen, keine gemeinsamen Ziele. Wenn es einmal nicht klappte, blieb man sofort weg, ließ seinen Stuhl leer oder fing wieder etwas Eigenes an. Das war alles Ohnmacht. Wir mussten das Ruder herumreißen und zu meiner Verwunderung und Überraschung sind wir unglaublich weit gekommen. So viel, so schnell und so gut. Das dürfen wir nicht mehr loslassen. Das dürfen wir nicht zulassen.“

Dopingbekämpfung
Einer der wichtigen Schritte, die kürzlich gesetzt wurden, ist der Anschluss des Kampfsports an die Dopingautoriteit. Der neue Vorsitzende dieser Organisation, Vincent Egbers, und VA-Vorsitzender Herbert Dekkers wurden dazu befragt. Was ist eigentlich das Problem beim Doping? Wer bestimmt, was verboten ist und was nicht? Wie sollten Sportler mit der Einnahme von Medikamenten umgehen? Was bedeutet es, dass auch Kontrollen außerhalb des Wettkampfs („out of competition“) stattfinden werden? Egbers erklärte, dass es nicht von einem Tag auf den anderen Kontrollen gibt und nicht sofort Menschen langfristig gesperrt werden. „Wir setzen zunächst auf Aufklärung, wir erklären erst ausführlich, was möglich ist und was nicht und welche Konsequenzen die Einnahme hat. Das geschieht unter anderem über die Dopingwaaier-App und die E-Learnings.“

Die Zusammenarbeit zwischen der VA und der Dopingautoriteit wurde in einer gemeinsamen Erklärung noch einmal symbolisch bestätigt: “Hiermit bekräftigen wir, die Nederlandse Vechtsportautoriteit und die Dopingautoriteit, dass wir uns einvernehmlich für die Beseitigung verbotener leistungssteigernder Mittel im Wettkampfsport einsetzen. Durch klare Aufklärung und die strukturelle Kontrolle von Sportlern arbeiten wir an einem sauberen Sport. Jeder Kampfsportler hat nämlich ein Recht auf faire Wettkämpfe.”

Sessions
Nach der Mittagspause gingen alle Anwesenden in kleinere Säle des Komplexes, um über spezifische Themen zu sprechen. So gab es eine Themensession „Medizinisch & gesund“ unter Leitung von VA-Vorstandsmitglied und Ringarzt Bas Pijnenburg. Hier wurde über eine mögliche jährliche medizinische Untersuchung für Wettkampfkämpfer und über die Untersuchung von Hirnschäden bei erfahrenen Spitzensportlern gesprochen. In der Session über Veranstaltungen und Galas wurde diskutiert, wie der Kontakt zwischen Promotern und Gemeinden verbessert werden kann.

In der Session Kommunikation ging es unter anderem um die Frage, was Kampfsportschulen und Promoter tun können, um ihre Initiativen auf positive Weise in die Medien zu bringen. Wie das Niveau des niederländischen Kickboxens weiter angehoben werden kann, war die Frage, mit der sich die Session Sporttechnische Angelegenheiten beschäftigte. In der Session über Qualität und Lizenzen wurde für eine dauerhafte Kontrolle der Qualität von Ringen und Käfigen plädiert.

Abschließende Schlussfolgerung
Nach den Nachmittagssessions fragte Leon Verdonschot Herbert Dekkers, was aus seiner Sicht die Schlussfolgerung des Kongresses für die VA sei. „Wir sind als niederländischer Kampfsport gut unterwegs, haben gemeinsam eine enorme Menge Arbeit geleistet, aber wir müssen einen Schritt machen, in die nächste Runde gehen. Wir müssen in der kommenden Zeit auch mit den Menschen, die hier sind, das Gespräch darüber führen, wie wir zu einem Verband kommen können. Und wir werden sicher Menschen hinter uns lassen, aber ich denke, wir haben die schöne Aufgabe, in die nächste Runde zu gehen. Ich hoffe, dass dies im selben positiven Ton geschieht, aus derselben positiven Grundhaltung, die wir hier heute wahrgenommen haben.“

Fotos: Giovanni Tjin
Zeichnungen: Pencilsensei
Video
Der Kongress war über einen Livestream direkt zu verfolgen. Das Bühnenprogramm ist unten noch einmal zu sehen.