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Niederländische Kampfsportbehörde
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Vom verbotenen Außenseiter zur anerkannten Sportart, das ist das Ziel

7 Min. Lesezeit
Congres Nederlandse Vechtsportautoriteit 2021 Peter Kwint, Remy Bonjasky, Anneke van Zanen

Peter Kwint hört als Vorstandsmitglied der VA auf, verlässt die Organisation aber nicht. ‚Wir haben in den vergangenen Jahren einen enormen Sprung gemacht, vor allem dank der Branche selbst. Aber wir sind noch nicht fertig.‘

2014 wurde Peter Kwint, damals noch Mitglied des Gemeinderats von Amsterdam, gefragt, ob er über die Zukunft des niederländischen Kampfsports mitdenken wolle. Es lief nämlich schlecht, und es war bekannt, dass ihm das als Liebhaber am Herzen lag. Es wurde ein Brainstorming in einer Amsterdamer Sportschule mit Trainern, Veteranen, aktiven Kämpfern und reinen Liebhabern. Die Sitzung erwies sich als einer der vielen Schritte auf dem Weg zur Gründung der Nederlandse Vechtsportautoriteit (niederländische Aufsichtsbehörde für Kampfsport) im Jahr 2017.

Nach sechs Jahren nimmt er nun Abschied vom Vorstand dieser Organisation. Diese Ehrenamtsfunktion ließ sich nämlich immer schwerer mit seiner Mitgliedschaft in der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments (Tweede Kamer) und mit der Vaterschaft vereinbaren. Der VA kehrt er jedoch nicht den Rücken zu. Es wurde eine etwas weniger zeitaufwendige Funktion frei, die er neben seinen anderen Aufgaben ausüben kann: die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat (Raad van Toezicht) der VA. Warum setzt er keinen Schlusspunkt hinter seine Zeit bei der VA?

‚Wir haben ziemlich viel erreicht, aber wir sind noch längst nicht am Ziel‘, so zieht er Bilanz. ‚Als wir anfingen, verboten immer mehr Bürgermeister Veranstaltungen, und Journalisten interessierten sich vor allem dann, wenn wieder einmal etwas schiefging. Wir sind noch nicht am Ziel, aber niemand kennt den Sport heute nur noch von den negativen Dingen. Für den Sport in den Niederlanden liegt einfach eine gute Zukunft bereit. Aber die wird er sich selbst erobern müssen. Es ist Aufgabe der VA, die Branche dabei zu unterstützen. Dieses Projekt finde ich zu schön, um davon weglaufen zu können.‘

Der Vorstand der VA bestimmt die Politik der Organisation. Der Aufsichtsrat muss kontrollieren, ob der Vorstand sich an seinen Kernauftrag hält: das Erreichen und Sichern einer regulierten, gesunden, sicheren und gut organisierten Kampfsportbranche. Ist diese Aufgabe nicht langweiliger?

‚Ein bisschen langweiliger finde ich nicht schlimm. Außerdem ist das gerade für uns eine große Herausforderung. Wenn man aktiv ist, stößt man im Sport auch manchmal auf Dinge, bei denen man denkt, dass es besser gehen müsste. Und dann will man die auch noch dazunehmen. Das Bewachen dieser Kernaufgabe, das Verbessern dieses Sports, ist eine schöne Aufgabe. Außerdem kommt es darauf an, wie man sie ausfüllt. Die schönste Arbeit der VA wird eigentlich vom Auditteam gemacht. Die kommen am häufigsten bei den Veranstaltungen und den Sportschulen vorbei, und das ist doch das Schönste. Aber nichts hält mich davon ab, dort auch mein Gesicht zu zeigen, außer vielleicht Zeitmangel.‘

Die akutesten Probleme, die die Gründung der VA notwendig machten, sind gelöst oder werden gelöst. Schleife drum, und wir können die VA auflösen?

‚Überflüssig zu werden ist natürlich das schönste Ziel, das es gibt. Und wie ich schon sagte: es sind wirklich große Schritte gesetzt worden. Veranstaltungen laufen in den Niederlanden selten bis nie mehr aus dem Ruder. Doping wird bekämpft, und es gibt ohnehin mehr Aufmerksamkeit für die Gesundheit der Sportler, vor allem wenn es um Kinder geht. Sowohl Behörden als auch Medien stehen dem Kampfsport deutlich positiver gegenüber, wodurch sich der gesellschaftliche Status erheblich verbessert hat. Mehr Menschen als je zuvor betrieben Kampfsport, bis Corona einen Strich durch die Rechnung machte und sich ganz Niederlande weniger bewegte. Die größten Probleme sind angegangen oder werden angegangen, ja. Aber seien wir ehrlich, wir sind noch nicht am Ziel. Ich glaube nicht, dass ich etwas sehr Kontroverses sage, wenn ich denke, dass die strengeren Dopingkontrollen wirklich noch etwas in Bewegung bringen werden. Und auch in anderen Bereichen glaube ich, dass wir, dank der Zusammenarbeit mit der Branche, wirklich Fortschritte gemacht haben. Größere Schritte, als ich zu Beginn gedacht hätte. Das Fundament ist gelegt. Aber es liegt noch nicht lange. Dieser Fortschritt ist zerbrechlich. Und man muss ihn bewachen, manchmal auch erkämpfen.‘

Um bei dieser Metapher zu bleiben: Wenn ein Fundament gelegt ist, was muss darauf gebaut werden?

‚Man kann darauf natürlich einen Apartmentkomplex setzen, in dem sich jeder wieder in seiner eigenen Kammer einrichtet, um sein eigenes Ding zu machen. Neun Organisationen, aber immer noch nicht vergleichbar mit den Verbänden anderer Sportarten. Sie können Wettkämpfe mit ihren Teams von Offiziellen gut begleiten, aber was wir gerne auch sehen würden, ist eine landesweite Spitzensportpolitik, Jugendpolitik, finanzielle Unterstützung für Talente, anerkannte niederländische Meisterschaften, der Anschluss an NOC*NSF, ein Beitrag aus Lotteriegeldern für die Entwicklung des Sports, und für alle dieselben Spielregeln. Mir erscheint es logisch, ein Haus zu bauen, in dem alle unter einem Dach zusammenarbeiten, mit einer schönen Etage für das Kickboxen, einer für das Thaiboxen und einer für Mixed Martial Arts. Mit einem seriösen Verband statt neun Organisationen, in dem aber Platz ist für alle, die jetzt bei diesen neun Organisationen sind und sich für unsere Sportarten einsetzen wollen. Damit all das Wissen und die Erfahrung, die in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt wurden, erhalten bleiben und an die nächsten Generationen weitergegeben werden können. Seien wir ehrlich: In den vergangenen Jahren hat die VA regelmäßig Aufgaben übernommen, die von den einzelnen Verbänden einfach nicht erledigt werden konnten. Aufgaben, die aber zu einem vollwertigen Sportverband gehören. Zum Beispiel die zentrale Wettkampfregistrierung im Fightpassport-System, Dopingkontrolle, die Vertretung der Branche in der Corona-Krise, Disziplinarrecht, das Fernhalten von Sexualstraftätern aus dem Sport, ein Lizenzsystem für Promotoren und Matchmaker, die Entwicklung von Qualitätsanforderungen für Sportschulen. Alles Dinge, die man nur dann wirklich gut machen kann, wenn es eine Organisation gibt. Und die eigentlich nicht zu einer Aufsichtsbehörde wie der VA gehören, sondern zu einem Verband. Und die bestehenden Organisationen müssen sich auch nicht auflösen, die können einfach weiter bestehen, aber innerhalb dieses Verbands. Die heutigen Teams mit Offiziellen der bestehenden Organisationen können dann auch in derselben Zusammensetzung weiterarbeiten, wenn sie das wollen. Die Ringärzte, die Matchmaker, die Ausbilder: für jeden kann in so einem neuen Haus Platz sein. Aber dann gemeinsam unter einem Dach, zusammenarbeitend, im Interesse des Sports, und angeschlossen an NOC*NSF, sodass alle Menschen aus dem Sport, so wie in anderen Sportarten, Anspruch auf alle Einrichtungen und Möglichkeiten haben und diesen auch erhalten, die dem organisierten Sport geboten werden. So würde ich die Organisation am liebsten sehen. Und ich glaube, dass es dafür sehr viel Unterstützung unter den Sportschulbetreibern und Sportlern gibt. Und was denkst du, was das für die Liebhaber bedeutet? Wenn es künftig einen erkennbaren Kampf um den Titel gibt?‘

Und die Promotoren? Wenn ein Verband kommt, werden die Veranstalter der Events dann überflüssig?

‚Absolut nicht, die müssen einfach ihr Ding weitermachen können. Von den örtlichen Jugendturnieren bis zu WFL, LFL, Enfusion, Glory: jeder soll vor allem das machen, worin er stark ist. Aber darüber hinaus können vom Verband aus problemlos Provinzmeisterschaften organisiert werden und eine nationale Meisterschaft. Wenn es einen Verband gibt, sagt so ein Titel ‚Niederländischer Meister‘ auch wirklich etwas. Die Titel, die jetzt manchmal als ‚Weltmeistertitel‘ vergeben werden, werden innerhalb der Szene selbst auch oft ‚Schokoladengürtel‘ (chocolade belts) genannt. Damit können die Medien überhaupt nichts anfangen, und dem übrigen Niederlande ist auch nicht zu erklären, dass es hundert Kickbox-Meister bis 70 Kilogramm gibt. Aber an einer echten niederländischen Meisterschaft sind Studio Sport und Ziggo Sport und dergleichen durchaus interessiert. Und dann zieht man Sponsoren an und wird immer mehr eine akzeptierte Sportart. Dann kann man weiter wachsen.‘

Anfang August kam die Nachricht, dass Kickboxen auf der Shortlist steht, um dem Programm der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles hinzugefügt zu werden. Was denkst du, wenn du das liest?

‚Das wäre schon etwas. Vom Ausgestoßenen der Sportwelt zur olympischen Anerkennung. Ein Traumszenario, Hollywood würdig. Ob Kickboxen endgültig ins Programm aufgenommen wird, wird wahrscheinlich nächstes Jahr entschieden, habe ich gelesen. Lasst uns in den Niederlanden dafür sorgen, dass wir jedenfalls unsere Angelegenheiten wirklich in Ordnung haben, damit es nicht an uns liegen kann. Der Anschluss an NOC*NSF mit einem starken Verband würde dabei meiner Meinung nach wirklich helfen. Nicht nur für den Sport in den Niederlanden, sondern auch für die internationale Ausstrahlung des Sports. Denn man kann davon ausgehen, dass immer noch auf die Niederlande geschaut wird, wenn es um Kickboxen geht. Es wäre doch großartig, wenn unsere besten Sportler dort glänzen könnten. Das wäre die Krönung der Arbeit all jener Menschen, die sich schon seit Jahrzehnten für den Kampfsport einsetzen.‘

Foto: Peter Kwint (links) mit Remy Bonjasky und NOC*NSF-Vorsitzender Anneke van Zanen während des Kongresses der Nederlandse Vechtsportautoriteit 2021
Fotograf: Giovanni Tjin

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