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„Sport war für mich immer schon mehr als nur ein bisschen Bewegung“

Die sportartübergreifende Kampagne Onze Club Is Voor Iedereen (Unser Verein ist für alle da) richtet die Aufmerksamkeit auf Diversität und Inklusion. Vielleicht etwas modische Begriffe, doch es geht einfach darum, dass alle willkommen sind. Der Kampfsport ist von alters her sehr vielfältig, auch was den Hintergrund der Sportlerinnen und Sportler betrifft. Trotzdem gibt es noch Möglichkeiten, neue Gruppen zum Einstieg zu bewegen. In dieser Reihe stellen wir einige Sportschulen vor, die andere möglicherweise dazu anregen, ebenfalls ein breiteres Publikum anzusprechen.
Als Hanieh Kamran mit der Sportschule Tabonon begann, hatte sie klar vor Augen, was für eine Sportschule es werden sollte. Selbstverständlich wollte sie mit Fachkräften Qualität liefern, doch der Erfolg würde für sie auch von der Kultur abhängen. „Bei Tabonon soll jeder sich selbst sein können und gleichwertig behandelt werden“, erläutert Hanieh. „Das hat mit meinen persönlichen Werten und mit meinem Charakter zu tun. Erst wenn sich hier alle zu Hause fühlen können, fühle ich mich selbst auch zu Hause.“
Kernwerte
„Wenn man eine inklusive Kultur entwickeln will, beginnt alles bei den Menschen, mit denen man arbeitet. Wir streben danach, dass alle dieselben Kernwerte vertreten. In unserer internen Schulung erklären wir, wofür wir stehen und wie wir die Dinge hier angehen. Es beginnt damit, dass wir neue Kundinnen und Kunden immer mit einem Handschlag begrüßen, dass wir eine Tasse Kaffee oder Tee in die Hand geben und dass wir nicht hinter, sondern vor der Theke stehen. Nah bei den Menschen, keine Barriere zwischen uns. Man betritt hier nicht einfach ein Unternehmen, man wird in unserer Gemeinschaft willkommen geheißen. Dort beginnt auch der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses. Das ist besonders wichtig für Menschen, die vielleicht noch zweifeln, ob eine Kampfsportschule ein angenehmer Ort für sie ist.“
Psychomotorische Therapie
Inzwischen zählt Tabonon fünf Standorte, 1800 Mitglieder und 80 Mitarbeitende. Wöchentlich werden hundert Gruppenstunden gegeben, darunter Kickboxen, MMA, BJJ, Krafttraining und Yoga. Neben diesen regulären Stunden wird im Gym in Zwolle auch Kickboxen mit psychomotorischer Therapie (PMT) angeboten. Dabei setzt man sich bewusst mit Selbstbeherrschung, den Grenzen anderer Menschen, dem Erkennen und Respektieren der eigenen Grenzen und vielen weiteren sozial-emotionalen Aspekten auseinander. Mit PMT gewinnt man mehr Einsicht in Verhaltens- und Denkmuster, in das Zuhören sich selbst und anderen gegenüber und in die Steuerung des eigenen Verhaltens. „Sport war für mich immer schon mehr als nur ein bisschen Bewegung“, sagt Hanieh. „Es gibt auch den Aspekt der persönlichen Entwicklung. Mit PMT können Menschen noch bewusster an sich arbeiten, zum Beispiel wenn sie sich selbst oder anderen mit ihrem Verhalten im Weg gestanden haben.“
Die PMT wird in Zwolle von Therapeutinnen und Therapeuten angeboten, die ein Studium der psychomotorischen Therapie an der CALO (niederländische Hochschule für Bewegung und Sport) oder eine andere PMT-Ausbildung abgeschlossen haben. „Man kann sich wünschen, dass die Sportschule inklusiv ist, aber man muss sich auch anstrengen, um das umzusetzen. Es zu sagen genügt nicht. Mit diesem speziellen Angebot erreichen wir Menschen, die aus welchem Grund auch immer einen persönlicheren Ansatz brauchen, mit einer Begleitung, die über den rein sportlichen Teil hinausgeht.“
„Wenn man sich als Sportschulinhaber nur mit Sport beschäftigen will, soll man das ruhig weiter so machen. Das hat natürlich schon einen großen Wert für die einzelnen Kundinnen und Kunden und für die Gesellschaft. Aber wenn man es interessant findet zu schauen, wie man den Sport für andere Ziele einsetzen kann, dann kann ich sehr empfehlen, sich näher mit PMT zu befassen. Die Teilnehmenden erfahren, dass es ihnen hilft, und es gibt uns Zufriedenheit zu sehen, dass unsere Arbeit wirklich einen Unterschied macht im Leben von Menschen, die sonst wahrscheinlich an der Sportschule vorbeigegangen wären.“
Früher in dieser Reihe:
„Es hat mich zum reichsten Trainer der Welt gemacht“
„Girls Only ist kein Hype, sondern eine Notwendigkeit“
Unsere Kampfsportschule ist für alle da
No Limits Gym: „Inklusion muss selbstverständlich sein“
Jorina Baars: „Die Arbeit mit dieser Zielgruppe fordert auch mich heraus“